...wie übt man eigentlich?

 

Zehn Regeln für Anfänger und Fortgeschrittene:

 

(Rückmeldungen, Anmerkungen, Meinungen sind willkommen! Siehe Kommentarfeld ganz unten)

 

 

 

1. Übe nie, wenn Du müde oder unkonzentriert bist.

 

2. Übe lieber täglich zwei mal fünf Minuten als einmal die Woche zwei Stunden.

 

3. Übe was Dir Freude macht.

 

4. Üben ist nicht dasselbe wie Spielen!

 

5. Mach Dir das Üben so leicht, dass es noch Spass macht, aber genug schwer, dass Du wach und aufmerksam bleibst.

 

6. Je klarer Du Deine Ziele setzt, desto sicherer und schneller kommst Du an Dein Ziel.

 

7. Gib nie auf! Krisen kommen oft vor dem nächsten grossen Sprung nach vorne.

 

8. Lass Dir helfen!

 

9. Was zu Hause klappt, klappt beim Lehrer oder vor Publikum nicht mehr. Das ist normal und passiert sogar Berufsmusikern.

 

10. Es gibt IMMER und für ALLES ein Lösung!

 

 

 

ERLÄUTERUNGEN ZU DEN ZEHN PUNKTEN:

 

 

 

1. Dein Körper hat ein Erinnerungsvermögen und speichert jede Regung. Wenn Du müde bist und zwingst Dich trotzdem zum Üben, kann es sein, dass Deine Muskeln sich verspannen. Durch das Üben verknüpfst Du Deine Emotionen und Körperabläufe bewusst und unbewusst mit Deinem Instrument und mit der Musik die Du spielst. Es ist, als ob Dein Instrument ein Gefäss wäre, das Du mit einem beliebigen Inhalt füllen darfst. Müde und achtloses Üben kann also dazu führen, dass man sich Fehler beibringt und diese abspeichert.

 

Geschieht das Üben gedankenlos und mechanisch, kann es ausserdem passieren, dass ein Musiker nicht mehr aus dieser Mechanik rauskommt. Die Folge davon ist ein gefühlloses Apparate-Bedienen und Knöpfchen-Drücken.

 

Natürlich darf man trotzdem spielen, auch bei Müdigkeit, das kann entspannend wirken und den Alltag vergessen machen.

 

 

 

 

2. Manchmal verliert man den Mut, beim Anblick des Berges, der vor einem liegt. Oder man weiss nicht, woher man sich die Zeit für sein Instrument hernehmen soll. Oder man bringt den Willen nicht auf, sich hinter sein Klavier zu setzen. Da hilft der 5 Minuten-Trick.

 

Es ist viel leichter mit dem Üben anzufangen, wenn man weiss, "in fünf Minuten hab ichs geschafft"!

Man überwindet die eigene Lethargie, merkt bald, "eigentlich machts ja Spass" und wenn man auf die Uhr schaut, sind auch schon zehn Minuten vergangen.

 

Das, zweimal am Tag, führt sehr viel schneller zu den absolut essentiellen Erfolgserlebnissen, als gelegentliche Marathon Übungen. Ausserdem brauchen die Synapsen und Muskeln zu Ihrer allmählichen Heranbildung nur eines: Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung ...idealerweise täglich!

 

 

 

 

3. Es gibt Schüler, die wollen nur üben was ihnen "Spass" macht. Ich glaube, die wollen eigentlich gar nicht richtig üben, nur spielen. Die Ironie dabei ist, dass man tatsächlich alles spielerisch üben kann. Das gilt auch für Tonleitern, Theorie, Gehörbildung, Blattlesen und so weiter.

 

Auf die richtige Einstellung kommt es an. Ich finde, man schlüpft beim Üben in die Rolle des Forschers und Entdeckers. Hindernisse werden dadurch zu interessanten Herausforderungen, die nach Überwindung schreien. Deshalb heisst mit Freude üben nicht, dass man Unliebsames einfach beiseite lässt, sondern im Gegenteil, dass man genau da hinschaut und herausfinden möchte was dahinter liegt.

 

 

 

 

4. Es mag Menschen geben, die müssen nie richtig üben, die spielen einfach und die Musik fliesst ihnen nur so aus d en Fingern. Alle andern müssen oder dürfen üben. Und auch die grössten Genies arbeiten hart und ausdauernd an ihren Fähigkeiten um ihr Können und ihre Kunst zu perfektionieren.

 

Es ist wichtig den Unterschied zwischen Spiel und Übung zu kennen. Das sind zwei unterschiedliche psychische Zustände, Bewusstsein und Unbewusstsein, Analyse und Synergie, Konzentration und Loslassen.

 

Man soll aber nicht nur üben, man soll auch unbedingt raus auf die Spielwiese und sich gehen lassen. Das Schönste ist und bleibt das befreite, zwangslose Musizieren!

 

 

 

 

5. Unser Geist und unser Körper möchten herausgefordert werden, sie möchten wachsen und Erfahrungen sammeln. Nichts ist schöner, als dieses Wachstum an sich selber zu beobachten und innerlich zu spüren. Das ist eine Erfahrung, die nicht käuflich ist und nur erwerbbar durch das Opfer der persönlichen Bemühungen.

 

Doch der Lohn ist die Mühe wert! Deshalb soll man sich selber immer wieder neu herausfordern und keine Herausforderung scheuen. Keine Angst vor Hindernissen oder Anstrengungen!

 

Andererseits sollte man sich vor zu grossem Ehrgeiz hüten. Klar, darf man sich auch ab und zu auf steiniges Terrain wagen, aber die wenigsten wären dumm genug, völlig unvorbereitet den Mount Everest bezwingen zu wollen. Jeder Bergsteiger weiss, dass man dafür Jahre der Vorbereitung, Planung und Training braucht, ansonsten jeglicher Versuch zum Scheitern verurteilt wäre.

 

Dasselbe gilt im Grunde für jedes Instrument, obwohl das Risiko nicht unbedingt dasselbe ist. Und dennoch: ich behaupte, dass schon unzählige Talente am eigenen Ehrgeiz verschwendet wurden, nur weil der oder die Betreffende nicht die nötige Geduld und Demut aufgebracht hat, sich zunächst gründlich mit den einfachen Elementen der Musik auseinanderzusetzen.

 

Aber es ist ja nie zu spät das zu ändern.

 

 

 

6. Es ist wie beim Wandern oder Reisen. Wenn es mir nur um das Wandern an sich geht, dann kann ich aufs Geratewohl losziehen und komme auf meine Kosten. Wenn ich jedoch dieses oder jenes Land besuchen möchte oder schon immer mal die Stadt Soundso besuchen wollte, dann wird es ziemlich schwierig ohne Landkarte oder die Anweisung von Ortskundigen dahin zu kommen.

 

Das ist der Grund, weshalb man sich besser einen groben Plan für seine Reise zurechtlegt. Der Ortskundige, das wäre in unserem Fall ein guter Lehrer. Er ist es, der quasi die Übersicht behält, uns vor Abwegen warnt und in die richtige Richtung führt. Eine Funktion übrigens, die kein Youtube-Tutorial oder Lehrbuch übernehmen kann.

 

Trotzdem soll immer genügend Raum für Spontaneität und Intuition übriggelassen werden, denn nicht alles ist plan- und kontrollierbar. Ständig mischen sich unvorhersehbare Kräfte ein, in dem Fall muss man improvisieren, Umwege machen und den Plan abändern oder sogar total über den Haufen werfen.

 

Das ist aber nicht weiter schlimm, denn es macht unsere Reise lebendig und spannend!

 

 

 

 

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